Rasen aerifizieren: So belüftest du verdichteten Boden richtig
Video abspielenBeim Aerifizieren stichst du bis zu 10 cm tiefe Löcher in den Rasen, damit wieder Luft und Wasser in einen verdichteten Boden gelangen. Nötig ist das, wenn Wasser in Pfützen stehen bleibt, der Rasen schlecht wächst und sich Moos ausbreitet. Auf wenig genutzten Flächen reicht es alle drei bis fünf Jahre, auf stark beanspruchtem Rasen einmal im Frühjahr und einmal im Herbst.
Warum sollte man den Rasen aerifizieren?
Ein gesunder Rasen braucht Bodenporen – kleine Hohlräume, in denen Luft und Wasser zirkulieren. Nur dann können die Wurzeln Nährstoffe und damit auch Rasendünger gut aufnehmen. Durch häufiges Betreten und ungünstige Witterung wird der Boden zusammengepresst; vor allem die größeren Poren gehen verloren.
Die Folgen: Wasser läuft nicht mehr ab, es bildet sich Staunässe, und Moos oder Unkräuter wie Breitwegerich breiten sich aus. Fehlt der Sauerstoff, arbeiten die Bodenlebewesen schlechter und die Wurzeln wachsen kaum noch – oft riecht der Boden dann modrig. Verdichtung kommt auf allen Böden vor, am schwersten wiegt sie auf lehmigem Boden.
Das bringt das Belüften:
- besserer Gasaustausch und schnellere Erwärmung des Bodens
- kräftigeres Wurzelwachstum und bessere Nährstoffaufnahme
- belastbarerer, widerstandsfähigerer Rasen
- schnellerer Abbau von Rasenfilz
- mehr Aktivität der Bodenlebewesen
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Aerifizieren?
Aerifiziert wird in der Wachstumszeit zwischen Ende März und Anfang Oktober, wenn es nicht zu heiß ist. Der Boden sollte dauerhaft mindestens 10 °C erreicht haben, und es sollte keine lange Trockenperiode bevorstehen. Der Rasen ist am besten erdfeucht – weder trocken noch nass. Günstig ist es, wenn die Frühjahrsdüngung schon erfolgt ist und der Rasen kräftig wächst.
Auch stark beanspruchte Flächen solltest du nicht häufiger als alle zwei bis drei Monate bearbeiten. Bist du unsicher, ob dein Boden verdichtet ist, kann eine größere Gärtnerei oder ein Garten- und Landschaftsbauer die Festigkeit mit einem Penetrometer messen.
Aerifizieren oder Vertikutieren – was ist der Unterschied?
Aerifizieren und Vertikutieren sind zwei verschiedene Arbeiten mit verschiedenen Geräten. Beim Vertikutieren ritzen Messer nur die obersten Millimeter an, um Rasenfilz und Moos herauszuholen. Beim Aerifizieren entstehen tiefe Löcher, die den Boden mit Sauerstoff versorgen und die Wasseraufnahme verbessern.
Das eine ersetzt das andere nicht. Vertikutieren entfernt Moos, beseitigt aber nicht die Ursache, wenn diese in Staunässe und schlechter Belüftung liegt. Dagegen hilft das Aerifizieren.
Welches Gerät eignet sich zum Aerifizieren?
Lange war das Aerifizieren Golf- und Sportplätzen vorbehalten, weil die Maschinen teuer waren. Inzwischen gibt es auch für den Hausgarten Werkzeuge. Entscheidend ist die Art der Zinken:
- Vollspoons sind massive Stacheln. Sie verdrängen die Erde nur zur Seite und können den Boden rund um das Loch im schlimmsten Fall weiter verdichten. Das gilt auch für einfache Stachelwalzen, Nagelschuhe und die Grabegabel, mit der man auf kleinen Flächen in den Rasen sticht.
- Hohlspoons sind hohle Zinken, die Erdkerne ausstechen. Der Aushub landet in einer Wanne oder auf dem Rasen und wird anschließend abgeharkt und kompostiert. Das macht mehr Arbeit, ist bei stark verdichteten und lehmigen Böden aber die wirksamere Methode.
Handgeräte wie Aerifiziergabeln sind auf großen Flächen sehr anstrengend; sie lohnen sich bis etwa 200 m². Motorgeräte (Aeratoren) arbeiten mit bestückten Walzen, die etwa 5–10 cm tief eindringen. Für den einmaligen Einsatz musst du sie nicht kaufen: Viele Baumärkte und Gartencenter verleihen sie tageweise.
Rasen aerifizieren: Schritt für Schritt
- Mähen: Rasen mähen und lose Pflanzenreste abharken. Ist die Narbe verfilzt, kannst du vorher vertikutieren – nötig ist das nur, wenn die Harkenprobe Filz oder Moos zeigt.
- Löcher stechen: Mit dem Handgerät im Abstand von 10–15 cm einstechen und dabei rückwärts arbeiten, damit du den Auswurf nicht festtrittst. Ein Motorgerät führst du in geraden Bahnen und ohne stehen zu bleiben über die Fläche.
- Auswurf entfernen: Erdkerne abharken.
- Sanden: 3–5 l gewaschenen Quarzsand je m² (Körnung bis 2 mm) ausstreuen und in die Löcher einfegen. Der Sand hält sie offen und sorgt langfristig für Drainage.
- Wässern: Die Fläche gründlich beregnen.
Was tun nach dem Aerifizieren?
Wie das Sanden im Einzelnen funktioniert, steht auf der Seite Topdressing; als Faustwert entspricht 1 l Sand je m² einer Schicht von 1 mm. Zusätzlich kannst du das Bodenleben mit Kompost oder einem Bodenaktivator fördern. Eine Düngung hilft dem Rasen, kleine Lücken wieder zu schließen – die passende Menge ermittelst du mit dem Rasendünger-Rechner, Grundlagen stehen auf der Seite Rasendünger. Bei größeren kahlen Stellen ist eine Nachsaat sinnvoll.
Die Arbeit ist aufwendig, lohnt sich aber vor allem auf verdichteten Böden, die zu Staunässe neigen: Ist der Boden wieder durchlässig, haben es Moos und Pilzkrankheiten schwerer, und der Rasen wächst dichter nach.